Georg Knill warnte vor einer „Übererfüllung“ des Klimaschutzes durch Österreich. Das würde „Tür und Tor öffnen für Klima-Freaks“. Knill „kenne kein einziges positives Argument, wenn Österreich im Alleingang zehn Jahre früher klimaneutral sein will.“ Die Fakten widersprechen dem IV-Präsidenten.
Mittelmaß-Freaks
Der Klimaschutz-Index (CCPI) bewertet Treibhausgasemissionen, erneuerbare Energien, Energieverbrauch und Klimapolitik. Seit 2019 liegt Österreich im unteren EU-Drittel. Das beste Ergebnis war 2025 Rang 23 von 64 Staaten, Sonst lag Österreich immer außerhalb der Top 30.
Brems-Freaks
Klima-Freaks sind wir sicher nicht. Brems-Freaks, das sind wir! Österreich hat Klimaschutzmaßnahmen auf EU-Ebene mehrfach verhindert, verzögert oder abgeschwächt.
Totschnig verzögerte die EU-Entwaldungsverordnung gleich zweimal. Der Start wurde insgesamt um zwei Jahre verschoben. Beim Renaturierungs- und beim Lieferkettengesetz trug Österreich zur Blockade bei. 2025 setzte Österreich beim EU-Klimaziel 2040 mehr internationale CO₂-Zertifikate und ein langsameres Auslaufen kostenloser ETS-Zertifikate durch. Auch die CO₂-Flottengrenzwerte für Pkw wurden aufgeweicht.
Ankündigungs-Freaks
Österreich kündigt gerne an. Lange hielt sich die Mär vom Klima-Musterschüler – obwohl Österreich nie einer war. Seit 2021 fehlt ein Klimaschutzgesetz. Das Regierungsprogramm 2020–2024 versprach Klimaneutralität 2040 und verbindliche Klimaziele. Nun gibt es Eckpunkte, der Klimafahrplan soll aber erst Ende 2027 beschlossen werden.
Auch der nationale Energie- und Klimaplan (NEKP) kam wiederholt zu spät. Die EU leitete Vertragsverletzungsverfahren ein. Und selbst der endgültige Plan verfehlt das 2030-Ziel: Statt der nötigen 48 Prozent Emissionsreduktion gegenüber 2005 erreicht er laut EU-Kommission nur 41,7 Prozent.
Und auch die jetzt beschlossene Klimaneutralität 2040 ist mit Vorsicht zu betrachten. Der Entwurf kommt jetzt erst in Begutachtung und soll erst Ende 2027 beschlossen werden – genug Zeit für die Bundesländer, Wirtschaftskammer, Industriellenvereinigung und ÖVP zu verhindern, zu bremsen, wo nur möglich. So ist die Industrie – verantwortlich für rund 1/3 der Treibhausgasemissionen – ausgenommen und für sie gilt weiterhin Klimaneutralität bis 2050. Es soll laut Ankündigung auch keine Klagsmöglichkeiten geben, wenn Österreich seine eigenen Ziele nicht erreicht.
Das Land verdurstet und verbrennt
It’s physics, stupid! Wärmere Luft kann pro Grad Erwärmung ungefähr sieben Prozent mehr Wasserdampf aufnehmen. Dadurch steigt der sogenannte „Dampfhunger“ der Luft: Böden und Pflanzen verlieren schneller Wasser, Trockenstress setzt früher ein. Dieselbe Regenmenge reicht in einem wärmeren Klima nicht mehr aus, um Böden so feucht zu halten wie früher. Trocknet der Boden aus, fällt die Kühlung durch Verdunstung weg. Boden und Luft heizen sich stärker auf: Hitze erzeugt Trockenheit, Trockenheit verstärkt die Hitze. Für Wälder ist das fatal. Bäume werden geschwächt, zugleich trocknen Gras, Laub, Äste und Totholz. Der Klimawandel entzündet keinen Wald, sorgt aber dafür, dass aus einem Funken leichter ein Großbrand wird.
Mehr Wasserdampf bedeutet auch nicht gleichmäßigeren Regen. Niederschlag fällt häufiger in heftigen Einzelereignissen, dazwischen können lange Trockenperioden liegen. Ausgetrocknete Böden nehmen Starkregen schlechter auf. Wasser fließt ab und fehlt danach im Boden.
GeoSphere Austria stellte im August 2026 fest, dass die vergangenen zwölf Monate die trockensten seit Beginn der österreichischen Messreihe 1850 waren.
Klimaschutz lässt sich bremsen, Gesetze lassen sich verhindern, verzögern und umgehen – die Naturgesetze gewinnen aber immer.
Deswegen sollten wir alle Klima-Freaks sein und uns von unserer Mittelmäßigkeit verabschieden.
