Radikalisierung auf TikTok

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Die Radikalisierung von Kindern und Jugendlichen über soziale Netzwerke wie TikTok schreitet auch in Österreich rasant voran. Auf der Plattform verbreiten sich rechtsextreme Verschwörungserzählungen, rassistische Inhalte und teilweise sogar offen nationalsozialistische Ideologien in erschreckendem Ausmaß. Gleichzeitig ist in den vergangenen Jahren auch die Gewaltbereitschaft im rechtsextremen Spektrum wieder deutlich gestiegen.

Aber was ist mit der viel zitierten Brandmauer?

In Österreich begann die politische Zusammenarbeit mit dem VdU – der Vorgängerpartei der FPÖ – bereits in den 1950er-Jahren auf Landes- und Gemeindeebene. Damit wurde der politische Umgang mit einer Partei normalisiert, in der zahlreiche ehemalige Nationalsozialisten aktiv waren.

Die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit verlief in Österreich insgesamt nur sehr unzureichend. Viele ehemalige Nationalsozialisten fanden rasch wieder ihren Platz in Politik und Gesellschaft. Die Frage, wie mit rechtsextremen Akteur:innen umzugehen ist, begleitet die Zweite Republik daher seit ihren Anfängen.

Heute erleben wir eine neue Form dieser Entwicklung. Zwar geht es häufig nicht mehr um ehemalige Nationalsozialisten, sondern um Neonazis und rechtsextreme Akteur:innen. Gleichzeitig versuchen diese gezielt, Kinder und Jugendliche über soziale Medien für ihre Ideologie zu gewinnen.

Wie lässt sich diese Radikalisierung stoppen?

Überzeugte Neonazis wird man vermutlich nur in den seltensten Fällen durch Diskussionen umstimmen können. Der direkte Diskurs mit ihnen ist oft wenig erfolgversprechend.

Anders kann es jedoch sein, wenn ihre Aussagen öffentlich eingeordnet und kritisch hinterfragt werden – genau auf jenen Plattformen, auf denen junge Menschen mit diesen Inhalten konfrontiert werden.

Ein Beispiel dafür ist der Content Creator Marcant. Er begleitet mit seinem Team rechtsextreme Demonstrationen, führt kritische Gespräche und veröffentlicht diese auf TikTok und anderen Plattformen. Nach eigenen Angaben konnten dadurch bereits über 500 Menschen die rechtsextreme Szene verlassen. Viele von ihnen beschreiben rückblickend, dass sie als Jugendliche auf einen falschen Weg geraten seien.

Eine demokratische Gesellschaft muss alle demokratischen Mittel nutzen, um rechtsextreme Propaganda dort zu entzaubern, wo sie heute am stärksten wirkt: in den sozialen Medien.

Empörung, Hass und einfache Feindbilder funktionieren dort hervorragend und werden von den Algorithmen häufig zusätzlich verstärkt. Werden diese Narrative jedoch sachlich zerlegt, mit Fakten widerlegt und ihre Widersprüche sichtbar gemacht, kann das zumindest bei einem Teil der Zuschauer:innen zum Nachdenken und zur Selbstreflexion führen.